Der Kanton Thurgau galt lange als Geheimtipp für Eigenheimkäufer, die den überhitzten Märkten in Zürich oder am Zürichsee entkommen wollten. Günstiger als die Nachbarn, ländlich genug für Ruhe, urban genug für Anbindung -- so lautete das Versprechen. Doch die Zeiten, in denen man im Thurgau zum Schnäppchenpreis kaufen konnte, neigen sich dem Ende zu. Im April 2026 liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei rund CHF 7'438 pro Quadratmeter -- ein Wert, der vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Die Preisentwicklung der letzten zwölf Monate zeigt ein Plus von 3,77 Prozent, und wer den Blick auf 25 Jahre weitet, sieht bei Einfamilienhäusern einen Anstieg von über 91 Prozent. Besonders in Gemeinden wie Kreuzlingen und Weinfelden steigen die Preise rasant. Trotzdem bleibt der Thurgau im nationalen Vergleich im unteren Mittelfeld -- eine Positionierung, die Chancen birgt, aber auch Fragen aufwirft. Dieser Artikel analysiert die aktuellen Immobilienpreise, vergleicht Regionen und zeigt, welche Faktoren die Quadratmeterpreise im Thurgau treiben.
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Stelle Fragen zu einer ImmobilieDie Datenlage ist für einmal recht eindeutig. Zwei unabhängige Quellen beziffern den durchschnittlichen Quadratmeterpreis im Kanton Thurgau auf nahezu identische Werte: CHF 7'438/m² respektive CHF 7'425/m². Die Abweichung liegt im statistischen Rauschen. Bei der Aufschlüsselung nach Objekttyp zeigt sich ein vertrautes Muster: Eigentumswohnungen sind pro Quadratmeter teurer als Einfamilienhäuser -- ein Befund, der sich durch die typischerweise zentraleren Lagen und die modernere Bausubstanz von Stockwerkeigentum erklären lässt.
Das bedeutet konkret: Ein Einfamilienhaus mit 180 m² Wohnfläche kostet im Thurgauer Durchschnitt rund CHF 1,45 Millionen. In Kreuzlingen oder an bevorzugten Seelagen kann dieser Wert auf CHF 2 Millionen und mehr klettern. Im ländlichen Hinterland hingegen sind ähnliche Objekte für deutlich unter einer Million zu haben.
Die Pauschalaussage "der Thurgau ist günstig" trifft nur noch bedingt zu. Die regionalen Preisunterschiede innerhalb des Kantons sind beträchtlich und folgen einer klaren Logik: Je näher am Bodensee, an der Bahnlinie oder an der Kantonsgrenze zu Zürich, desto höher die Quadratmeterpreise.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in Weinfelden: Die Kantonshauptstadt des Thurgauer Weinbaus verzeichnet jährliche Preissteigerungen von rund 5 Prozent -- ein Wert, der selbst in Zürcher Agglomerationsgemeinden Respekt abnötigt. Die Gründe liegen auf der Hand: gute Verkehrsanbindung, ein attraktives Ortsbild und ein Baulandangebot, das der Nachfrage kaum noch standhält.
Wer die Immobilienpreise im Thurgau über einen längeren Zeitraum betrachtet, erkennt eine Entwicklung, die man ohne Übertreibung als Transformation bezeichnen darf. Über 25 Jahre hinweg sind die Preise für Einfamilienhäuser um 91,4 Prozent gestiegen, jene für Eigentumswohnungen um 84,6 Prozent. Bereinigt um die Inflation bleibt ein realer Wertzuwachs, der den Thurgau vom günstigen Ausweichkanton zum soliden Investitionsstandort gemacht hat.
Der TKB Eigenheim-Index -- herausgegeben von der Thurgauer Kantonalbank -- beziffert die jüngste Jahressteigerung auf 4,5 Prozent. Das liegt deutlich über dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von 3,6 Prozent und zeigt: Der Thurgau holt auf, und zwar schneller als das Land insgesamt.
Die überdurchschnittliche Preisentwicklung lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen, die zusammenwirken:
Der Thurgau im nationalen Vergleich: Noch immer günstig -- aber wie lange?
Trotz der deutlichen Preissteigerungen bleibt der Kanton Thurgau im nationalen Vergleich im unteren Mittelfeld. Zum Vergleich: In der Stadt Zürich liegen die Quadratmeterpreise für Wohnungen bei über CHF 15'000/m², am Zürichsee bei CHF 12'000--18'000/m², im Kanton Zug bei CHF 13'000--16'000/m². Der Thurgau mit seinen CHF 7'438/m² wirkt da fast noch bescheiden.
Doch der Trend ist eindeutig: Der Preisaufholprozess wird weitergehen, solange die Nachfrage das Angebot übersteigt und die Anbindung an die Wirtschaftszentren sich verbessert. Für Kaufinteressenten heisst das: Wer den Thurgau als Preisvorteil nutzen will, sollte nicht zu lange warten.
Der Kanton Thurgau bietet 2026 ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das im nationalen Vergleich nach wie vor überzeugt -- aber nicht mehr lange zum Einstieg einlädt, ohne genau hinzuschauen. Die Quadratmeterpreise sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen, und die Dynamik hält an. Wer hier kauft, investiert in einen Standort mit Aufholpotenzial, solider Infrastruktur und einer Lebensqualität, die sich nicht in Franken pro Quadratmeter messen lässt. Die klügste Strategie für Kaufinteressenten: Regionen mit guter Anbindung, aber noch moderaten Preisen ins Auge fassen -- und sich nicht von den Spitzenwerten in Kreuzlingen abschrecken lassen.
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