Wie entwickelt sich der TKB-Eigenheim-Index im Jahr 2026?

Zweimal im Jahr blickt der Thurgau gespannt auf eine Zahl -- oder genauer: auf ein ganzes Bündel von Zahlen, das die Thurgauer Kantonalbank (TKB) in ihrem Eigenheim-Index veröffentlicht. Die Frühlingsausgabe 2026, publiziert am 16. April 2026, bestätigt, was sich bereits seit Quartalen abzeichnet: Der Thurgauer Immobilienmarkt wächst kräftiger als der Schweizer Durchschnitt -- und das nicht nur an den bekannten Premiumlagen am Bodensee, sondern zunehmend auch in Bezirken, die bisher kaum im Fokus überregionaler Investoren standen. Ein Preiswachstum von 4,5 Prozent innert zwölf Monaten, eine Dynamik, die national ihresgleichen sucht, und ein Bezirk Weinfelden, der mit 5 Prozent Jahreswachstum die Spitze des nationalen Rankings erklimmt: Die Zahlen erzählen die Geschichte eines Kantons, der seine Rolle im Schweizer Immobilienmarkt neu definiert. Was bedeutet das für Kaufinteressierte, Eigentümer und die weitere Preisentwicklung? Dieser Artikel analysiert die wichtigsten Erkenntnisse des TKB-Eigenheim-Index 2026 und ordnet sie ein.

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Die 3-Punkte-Orientierung

  • Der TKB-Eigenheim-Index vom 16. April 2026 weist für den Thurgau ein Preiswachstum von 4,5 Prozent über zwölf Monate aus -- deutlich über dem Schweizer Durchschnitt von 3,6 Prozent.
  • Der Bezirk Weinfelden ist mit +5 Prozent Jahreswachstum der Top-Performer im Kanton und gehört zu den dynamischsten Bezirken der Schweiz. Kreuzlingen und die Seegemeinden verzeichnen Spitzenpreise von rund 2 Millionen Franken für ein Modellhaus.
  • Trotz des starken Wachstums liegt der Thurgau preislich im national unteren Mittelfeld, was ihn für Ersterwerber und Zuzüger aus der Grossregion Zürich weiterhin attraktiv macht.

Was ist der TKB-Eigenheim-Index?

Der TKB-Eigenheim-Index ist das wichtigste Barometer für den Thurgauer Immobilienmarkt. Herausgegeben von der Thurgauer Kantonalbank -- dem grössten Finanzinstitut des Kantons --, erscheint er zweimal jährlich in einer Frühlings- und einer Herbstausgabe. Der Index erfasst die Preisentwicklung von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen auf Bezirksebene und stellt sie dem Schweizer Durchschnitt gegenüber. Damit liefert er nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ermöglicht auch die Analyse langfristiger Trends und regionaler Unterschiede innerhalb des Kantons.

Die Methodik stützt sich auf tatsächliche Transaktionsdaten, ergänzt durch hedonische Bewertungsmodelle, die Objektmerkmale wie Lage, Zustand, Wohnfläche und Baujahr berücksichtigen. Das macht den Index verlässlicher als reine Angebotspreisanalysen, die nur widerspiegeln, was Verkäufer verlangen -- nicht, was tatsächlich bezahlt wird.

Die Kernzahlen: Thurgau wächst schneller als die Schweiz

Die Frühlingsausgabe 2026 liefert ein klares Bild: Der Thurgauer Eigenheimmarkt hat sich vom nationalen Durchschnitt abgekoppelt -- nach oben.

  • 12-Monats-Wachstum Thurgau: +4,5 Prozent (Schweiz: +3,6 Prozent)
  • 6-Monats-Wachstum Thurgau: +2,0 Prozent (Schweiz: +2,0 Prozent)
  • Modellhaus 180 m² (Thurgau Durchschnitt): rund 1,45 Millionen Franken
  • Modellhaus 180 m² (Kreuzlingen/Seegemeinden): rund 2,0 Millionen Franken

Bemerkenswert ist die Zweiteilung der Dynamik: Über zwölf Monate wächst der Thurgau deutlich stärker als die Schweiz, über sechs Monate liegt er gleichauf. Das deutet darauf hin, dass der Wachstumsvorsprung vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2025 erzielt wurde -- möglicherweise befeuert durch die Abstimmung zur Abschaffung des Eigenmietwerts und die damit verbundene Planungssicherheit für Käufer.

Der Bezirksvergleich: Wo steigen die Preise am stärksten?

Der TKB-Eigenheim-Index offenbart erhebliche regionale Unterschiede innerhalb des Kantons. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Bezirke im Vergleich:

Weinfelden: Der Bezirk Weinfelden ist die grosse Überraschung der aktuellen Ausgabe. Mit einem jährlichen Preiswachstum von 5 Prozent liegt er nicht nur kantonal an der Spitze, sondern gehört zu den dynamischsten Bezirken der gesamten Schweiz. Die Gründe sind vielschichtig: eine gute Verkehrsanbindung (Knotenpunkt im Thurgauer Bahnnetz), ein wachsendes Angebot an Neubauten, eine lebendige Kleinstadt-Atmosphäre und -- nicht zu unterschätzen -- Preise, die trotz des Wachstums noch unter dem Kantonsdurchschnitt liegen. Weinfelden zieht damit gezielt Käufer an, denen Kreuzlingen oder Frauenfeld bereits zu teuer sind.

Kreuzlingen und die Seegemeinden: Am Bodensee wird am meisten bezahlt -- rund 2 Millionen Franken für ein Modellhaus. Das Preiswachstum ist mit 3,5 bis 4 Prozent solide, aber etwas geringer als im Hinterland. Der Grund: ein Niveaueffekt. Wer bereits auf hohem Preisniveau operiert, wächst prozentual langsamer, auch wenn die absoluten Preisgewinne beträchtlich bleiben. Die Gemeinden Bottighofen, Gottlieben und Horn gehören zu den teuersten Adressen des Kantons und sind preislich mit Teilen des Zürcher Seebeckens

vergleichbar.

Was treibt die Preise?

Drei Faktoren bestimmen die Preisdynamik im Thurgau:

  • Attraktive Hypothekarzinsen: Die Zinsen befinden sich historisch weiterhin auf einem moderaten Niveau. Das senkt die monatliche Belastung und erweitert den Kreis potenzieller Käuferinnen und Käufer. Die Nachfrage bleibt entsprechend hoch.
  • Zuzug aus der Grossregion Zürich: Immer mehr Familien und Paare entscheiden sich bewusst für den Thurgau -- angezogen von tieferen Preisen, mehr Wohnfläche und einer höheren Lebensqualität. Dieser Nachfragedruck aus der Metropolregion ist ein struktureller Treiber, der sich in den kommenden Jahren kaum abschwächen dürfte.
  • Begrenztes Angebot: Wie in der gesamten Schweiz ist auch im Thurgau das Angebot an Bauland und Bestandsliegenschaften begrenzt. Die Einzonung neuer Bauzonen ist restriktiv, und die Bautätigkeit hält mit der Nachfrage nicht Schritt. Die Folge: ein klassisches Nachfrageüberhang-Szenario, das die Preise weiter nach oben treibt.

Einordnung: Der Thurgau im nationalen Kontext

Trotz des überdurchschnittlichen Preiswachstums bleibt der Thurgau preislich im national unteren Mittelfeld. Ein Modellhaus für 1,45 Millionen Franken ist im Vergleich zu Zürich (4,5 Mio.), Zug (3,8 Mio.) oder dem Genfersee (3,5 Mio.) noch immer günstig. Diese Preislücke ist gleichzeitig die grösste Chance und das grösste Risiko des Thurgauer Marktes: Sie macht den Kanton attraktiv für Zuzüger, könnte sich aber mittelfristig schliessen, wenn die Nachfrage anhält und das Angebot knapp bleibt.

Für Kaufinteressierte bedeutet das: Wer im Thurgau kaufen will, sollte nicht zu lange zögern. Die Einstiegspreise sind noch vergleichsweise moderat, doch der Trend zeigt klar nach oben. Besonders in den dynamischen Bezirken Weinfelden, Kreuzlingen und Frauenfeld dürften die Preise weiter anziehen.

Prognose: Wie geht es weiter?

Die Herbstausgabe 2026 des TKB-Eigenheim-Index wird zeigen, ob sich das hohe Wachstumstempo halten lässt. Die fundamentalen Nachfragetreiber -- tiefe Zinsen, Zuzug, knappes Angebot -- bleiben intakt. Ein abrupter Preisrückgang ist unter diesen Bedingungen unwahrscheinlich. Realistischer ist eine Fortsetzung des Aufwärtstrends, möglicherweise mit etwas geringerer Dynamik, da die Preisniveaus in den beliebtesten Bezirken zunehmend an die Grenzen der Tragbarkeit stossen.

Die Abschaffung des Eigenmietwerts ab 2029 könnte mittelfristig einen zusätzlichen Nachfrageimpuls setzen, da Wohneigentum steuerlich attraktiver wird -- insbesondere für Eigentümer mit tiefer oder keiner Hypothekarbelastung.

Häufige Missverständnisse

  • "Der TKB-Eigenheim-Index bildet nur Angebotspreise ab." -- Falsch. Der Index stützt sich auf Transaktionsdaten und hedonische Bewertungsmodelle, die tatsächlich bezahlte Preise und objektive Merkmale berücksichtigen. Er ist damit verlässlicher als reine Inserateanalysen.
  • "4,5 Prozent Preiswachstum bedeutet, dass sich eine Immobilie in 15 Jahren verdoppelt." -- Theoretisch ja, praktisch unwahrscheinlich. Preiswachstum verläuft selten linear. Konjunkturelle Schwankungen, Zinsänderungen und regulatorische Eingriffe können den Trend jederzeit bremsen. Der Index ist eine Momentaufnahme, keine Garantie für die Zukunft.
  • "Am Bodensee ist alles teuer -- im Hinterland alles günstig." -- Zu pauschal. Bezirke wie Weinfelden zeigen, dass auch das Hinterland dynamische Preissteigerungen verzeichnet. Umgekehrt sind nicht alle Seegemeinden gleichermassen teuer. Die Preislandschaft im Thurgau ist differenzierter, als das einfache Narrativ "See = teuer" suggeriert.

Fazit: Der TKB-Eigenheim-Index als Kompass für Kaufentscheide

Der TKB-Eigenheim-Index 2026 zeichnet das Bild eines Kantonsmarktes, der seine Nische verlassen hat. Mit einem Preiswachstum von 4,5 Prozent über dem Schweizer Durchschnitt, einem Bezirk Weinfelden an der nationalen Spitze und Premiumpreisen am Bodensee von rund 2 Millionen Franken hat der Thurgau seinen Platz als ernstzunehmender Immobilienstandort gefestigt. Für Kaufinteressierte bietet der Index eine wertvolle Entscheidungsgrundlage -- und eine klare Botschaft: Die Zeit der Schnäppchen im Thurgau neigt sich dem Ende zu, aber die Einstiegschancen sind noch vorhanden. Wer sie nutzt, investiert in einen Markt mit Substanz, Dynamik und Perspektive.

Glossar zu TKB-Eigenheim-Index 2026

  • TKB-Eigenheim-Index: Ein von der Thurgauer Kantonalbank halbjährlich publizierter Index, der die Preisentwicklung von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen im Kanton Thurgau erfasst und mit dem Schweizer Durchschnitt vergleicht.
  • Hedonisches Bewertungsmodell: Eine statistische Methode zur Immobilienbewertung, die den Preis anhand objektiver Merkmale (Lage, Grösse, Zustand, Baujahr) schätzt -- unabhängig vom subjektiven Angebotspreis.
  • Transaktionsdaten: Daten, die auf tatsächlich abgeschlossenen Kaufverträgen basieren, im Gegensatz zu Angebotspreisen, die lediglich die Preisvorstellung des Verkäufers widerspiegeln.
  • Niveaueffekt: Das Phänomen, dass Immobilien an teuren Standorten prozentual langsamer wachsen als an günstigeren -- obwohl der absolute Preisanstieg in Franken ähnlich oder sogar höher sein kann.
  • Nachfrageüberhang: Eine Marktsituation, in der die Nachfrage nach Immobilien das verfügbare Angebot übersteigt, was in der Regel zu steigenden Preisen führt.
  • Modellhaus: Ein standardisiertes Referenzobjekt (z. B. 180 m² Wohnfläche, mittlerer Ausbaustandard), das für regionale und überregionale Preisvergleiche verwendet wird.
  • Hedonische Preisbereinigung: Die Bereinigung von Preisveränderungen um qualitative Unterschiede der gehandelten Objekte, sodass nur die reine Marktpreisveränderung gemessen wird.
  • Bezirksdynamik: Die relative Stärke der Preisentwicklung in einem bestimmten Bezirk im Vergleich zum kantonalen oder nationalen Durchschnitt.

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