Es gibt Gemeinden in der Schweiz, die mit tiefen Steuern werben wie andere mit Seeblick. Am Bodensee im Kanton Thurgau hat man beides -- und manchmal das eine wegen des anderen. Denn es ist kein Zufall, dass sechs der zehn steuergünstigsten Gemeinden des Kantons im Bezirk Kreuzlingen liegen, also direkt am oder in unmittelbarer Nähe zum See. Die Kombination aus attraktiver Wohnlage, zahlungskräftigen Steuerzahlern und solider Finanzpolitik ermöglicht Steuerfüsse, die andernorts für ungläubiges Staunen sorgen. Allen voran Warth-Weiningen mit einem Steuerfuss von 30 Prozent -- und das im achten Jahr in Folge. Aber der Reihe nach: Was bedeuten diese Zahlen konkret? Wie viel spart man tatsächlich? Und lohnt es sich, allein wegen der Steuern an den Bodensee zu ziehen? Dieser Artikel liefert das vollständige Ranking, erklärt die Hintergründe und zeigt, warum der Steuerfuss nur eine von mehreren Grössen ist, die bei der Wohnortwahl zählen.
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Stelle Fragen zu einer ImmobilieDie folgende Übersicht zeigt die Gemeinden mit den tiefsten Steuerfüssen im Kanton Thurgau, mit besonderem Fokus auf die Seegemeinden am Bodensee. Die Zahlen beziehen sich auf das Steuerjahr 2025/2026.
Das Ranking offenbart eine bemerkenswerte Spreizung: Zwischen Warth-Weiningen (30 %) und Arbon (72 %) liegen 42 Prozentpunkte -- das entspricht bei einem steuerbaren Einkommen von CHF 150'000 einem jährlichen Unterschied von mehreren Tausend Franken. Und beide Gemeinden liegen im selben Kanton.
Der Fall Warth-Weiningen ist lehrreich, weil er zeigt, wie Steuerpolitik in der Schweiz funktioniert. Die Gemeinde mit knapp 2'500 Einwohnern hält ihren Steuerfuss seit acht Jahren bei 30 Prozent -- dem mit Abstand tiefsten Wert im Kanton Thurgau. Das gelingt nicht durch Sparsamkeit allein, sondern durch eine Kombination aus überschaubarer Infrastruktur, geringen Sozialausgaben und einer Steuerbasis, die trotz kleiner Bevölkerung ergiebig ist.
Allerdings liegt Warth-Weiningen nicht am Bodensee, sondern im Bezirk Frauenfeld an der Thur. Es ist ein Sonderfall -- die eigentlichen Seegemeinden beginnen im Ranking auf den Plätzen dahinter.
Dass am Bodensee die Steuerfüsse tiefer sind als im Hinterland, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines sich selbst verstärkenden Kreislaufs: Die attraktive Lage am See zieht einkommensstarke Einwohner an. Hohe Steuererträge pro Kopf ermöglichen einen tiefen Steuerfuss. Der tiefe Steuerfuss wiederum macht die Gemeinde noch attraktiver -- und so dreht sich das Rad weiter.
In Horn (34 %) etwa liegt die Gesamtsteuerbelastung unter 240 Prozent -- ein Wert, der selbst im steuergünstigen Kanton Thurgau herausragt. Die Gemeinde am östlichen Bodenseeufer vereint Seelage, gute Anbindung an Rorschach und St. Gallen sowie ein gepflegtes Ortsbild. Ähnlich verhält es sich in Ermatingen und Salenstein auf dem Untersee, wo die Gesamtbelastung ebenfalls unter der 240-Prozent-Marke liegt.
Tägerwilen (36 %) profitiert von seiner Lage direkt an der Grenze zu Konstanz -- ein Standortvorteil, der Einkaufstourismus, kulturelles Angebot und Arbeitsmarkt auf der deutschen Seite erschliesst, ohne die steuerlichen Vorteile des Schweizer Wohnsitzes aufzugeben. Bottighofen (37 %) und Münsterlingen (37 %) komplettieren den Kreis der steuergünstigen Seegemeinden im Bezirk Kreuzlingen.
Am anderen Ende des Spektrums steht Arbon mit einem Steuerfuss von 72 Prozent -- dem höchsten im ganzen Kanton. Die Stadt am Bodensee zeigt, dass Seelage allein keine Garantie für tiefe Steuern ist. Arbon hat als ehemalige Industriestadt eine andere Sozialstruktur als die wohlhabenden Villenquartiere in Bottighofen oder Horn. Höhere Sozialausgaben, eine breitere Infrastruktur und eine weniger konzentrierte Steuerbasis führen zu einem Steuerfuss, der mehr als doppelt so hoch ist wie jener der Nachbargemeinde.
Ein bemerkenswertes Detail der Thurgauer Steuerlandschaft ist ihre Stabilität. Im Jahr 2025 blieben 68 von 80 Gemeinden bei ihrem bisherigen Steuerfuss. Neun Gemeinden erhöhten, drei senkten ihn. Das bedeutet: Die Rangfolge ändert sich von Jahr zu Jahr nur marginal. Wer in eine steuergünstige Gemeinde zieht, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Steuervorteil über Jahre Bestand hat.
Für Pendlerfamilien und Zuzüger ist das ein wichtiges Signal: Die steuerliche Planung lässt sich auf eine relativ stabile Grundlage stützen. Drastische Erhöhungen sind selten und in der Regel auf ausserordentliche Investitionen oder veränderte Soziallasten zurückzuführen.
Der Steuerfuss ist ein gewichtiges Argument, aber er ist nicht das einzige. Wer allein aufgrund der Steuern umzieht, übersieht Faktoren, die langfristig ebenso ins Gewicht fallen:
Die Seegemeinden am Bodensee bieten eine in der Schweiz seltene Kombination: attraktive Wohnlage, moderate Steuern und eine Stabilität, die langfristige Planung erlaubt. Wer den Steuerfuss als einen Faktor unter mehreren gewichtet -- und nicht als alleiniges Kriterium --, trifft mit einem Umzug an den Bodensee eine fundierte Entscheidung. Die Zahlen sprechen für sich: Warth-Weiningen mit 30 %, Horn mit 34 %, Tägerwilen mit 36 % -- das sind Werte, die im nationalen Vergleich bestehen. Entscheidend ist, dass man die Gesamtrechnung macht: Immobilienpreise, Pendlerkosten, Lebensqualität und Steuern zusammen ergeben erst das vollständige Bild.
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